Offener Brief zu den aktuellen Vorkommnissen im Essener Fußball

18.11.2016
Autor: KSA Essen

Liebe Sportfreunde,
liebe Schiedsrichterinnen und Schiedsrichter,

die Gewaltausbrüche auf den Sportplätzen unserer Stadt, insbesondere die jüngsten Vorfälle in den letzten Wochen, haben uns alle gleichermaßen entsetzt.

Bei allem Verständnis für Emotionen aller Art, die unseren Fußballsport ausmachen – Gewalt hat auf keinem Sportplatz etwas zu suchen! Selbstverständlich machen Schiedsrichter Fehler, das ist ganz normal. Genau wie auch Spieler Fehler machen. Dadurch werden Spiele entschieden, auch das ist ganz normal. Darüber kann man sich ärgern und schimpfen – aber rechtfertigt das, jemanden anzugreifen? Zu bedrohen? Mit mehreren Leuten? Gegen einen Einzelnen? Gegen Gegner, die sich couragiert dazwischen stellen?

Unsere Schiedsrichter sind bedroht worden, einem Kollegen ist in einem Jugendspiel (!) angedroht worden, man wolle ihn töten. Ein weiterer Kollege ist wegen einer Lappalie, einer Einwurfentscheidung an der Mittellinie, von mehreren Spielern und Auswechselspielern auf dem Platz bedrängt und beleidigt worden. Dem nächsten Kollegen wurde auf dem Platz körperliche Gewalt angedroht, sollte er eine seiner Entscheidungen nicht revidieren. Von den tätlichen Angriffen auf unsere Kollegen Anfang November mal ganz zu schweigen – das waren natürlich traurige Höhepunkte.
Wir mussten in den letzten Tagen erleben, dass Schiedsrichter in einem Maß attackiert worden sind, das unerträglich, nicht ansatzweise hinnehmbar ist. Wir wollen auf dem Sportplatz unserem Hobby nachgehen, so wie alle anderen Fußballer auch. Aber haben diese Dinge, die passiert sind, noch etwas mit einem Hobby, was Spaß machen soll, zu tun?

Nun hat unser Kreisvorsitzender Thorsten Flügel, der ja selbst Schiedsrichter ist, einen dringenden Appell an die Essener Vereine gerichtet. Hier heißt es unter anderem:
„… An den beiden letzten Spieltagen hat es nun in Essen 4 (!) Spielabbrüche gegeben. Wieder waren es einzelne Spieler und auch Mannschaftsteile, die Entscheidungen nicht akzeptieren wollten und mit physischer und psychischer Gewalt gegen Schiedsrichter und Gegenspieler vorgegangen sind. Und wieder ziehen diese Gewalttäter unseren Sport in den Dreck und machen ihn damit letztlich kaputt! Das ist so nicht zu akzeptieren! … Für Alle, die sich daran nicht halten, kann es nur bedeuten, die vorhandenen Maßnahmen sofort und kompromisslos anzuwenden. Dazu gehört die sportrechtliche Bestrafung aller Täter und auch deren Vereine, die nicht zur Verhinderung beigetragen haben. … Ebenso muss der ESPO von seinem Recht Gebrauch machen, Vereine, die sich nicht an unsere Regeln halten, auszuschliessen. Und auch die Stadt Essen muss nach den Vorgaben der eigenen Satzung Vereinen Trainingszeiten entziehen und Spielmöglichkeiten nehmen. Letztlich dürfen gewalttätige Spieler nach ihren Sperren keinen Verein mehr finden, der sie aufnimmt! Diese Menschen haben im Sport und besonders bei uns im Fußball nichts zu suchen. …“

Die Worte des Kreisvorsitzenden unterstützen wir voll und ganz. Der Appell kann hier in voller Länge nachgelesen werden: http://kreis12.fvn.de/730-0-Dringender-Appell.html?goback=337

In dieser Woche hat es mehrere Gespräche zwischen dem KSO Christian Sorgatz und dem Kreisvorsitzenden Thorsten Flügel gegeben. Erst gestern Abend gab es eine Besprechung zu diesem Thema. Nun sollen kurzfristig alle Vereine, die ja bei einer Veranstaltung des Kreises Essen und des ESPO eine „Selbstverpflichtung gegen Gewalt im Sport in Essen“ unterzeichnet haben, zu Einzelgesprächen und/oder Krisensitzungen eingeladen werden. Der KSA hat dem ESPO dazu die Berichte der Schiedsrichter über die Vorkommnisse der letzten Spieltage zur Verfügung gestellt, um auf das Ausmaß der Vorfälle, das weit über die in den Medien bekannt gewordenen Fälle hinausgeht, aufmerksam zu machen.

Wir vertrauen der Arbeit unserer Spruchkammern und dem ESPO, und hoffen darauf, dass die Täter und Mitläufer dieser ekelhaften Vorfälle angemessen zur Rechenschaft gezogen werden.

Dem KSA ist es sehr wichtig, alle Schiedsrichter darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich jeder Unterstützung sicher sein können, wenn sie in ihren Spielleitungen bereits bei aufkommender Bedrohung das Spiel abbrechen. Niemand soll sich bei der Ausübung seines Hobbys, seines Freizeitvergnügens, bedroht fühlen, oder sein Amt gar mit Angst ausüben.

In der Hoffnung, dass es gar nicht erst dazu kommen muss, verbleiben wir mit sportlichen Grüßen!

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